Wir beginnen uns an die Reise zu gewöhnen. Die regelmäßigen Muskelschmerzen lassen langsam nach. Dummerweise haben wir uns beide nacheinander eine Sommergrippe eingefangen und so wird sich unser Aufenthalt in Mannheim noch etwas verzögern. Eine Pause, die zur Aktualisierung des Blogs gut geeignet ist.
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Die Ereignisse überschlagen sich geradezu vor uns, so dass wir gar nicht von all den schönen Begegnungen erzählen können. Natürlich sind wir mit unserer Art zu reisen auf Gastfreundschaft angewiesen. Dass uns diese aber so häufig und in so vielfältiger Weise zuteil wird, damit haben wir nicht gerechnet. Sei es in Aremberg in der Burgschenke, wo wir außerhalb der Öffnungszeiten zu einem Kaffee eingeladen werden und uns mit der Wirtin und dem Bürgermeister unterhalten. Schleichwerbung sollte in diesem Zusammenhang durchaus erlaubt sein.
In Adenau kommen wir dann im alten Krankenhaus unter. Übernachten im Krankenhaus? Wir staunten nicht schlecht, als wir aufgefordert wurden an der Krankenhauspforte nach einer Ünterkunft zu fragen. Diese wurde uns erstaunlicherweise im alten Krankenhaus gewährt, welches von Mutter Rosa Flesch mitbegründet wurde. Unsere Wissenslücke über diese Persönlichkeit wird schnell mit Informationen über die Gründerin der Franziskanerinnen von Waldenbreitbach gefüllt.

Es wurde ein erholsamer Abend. Leider musste uns zum Abschied noch eine Sicherung durchbrennen, so dass ein ganzer Trakt des Gebäudes ohne Licht war. Peinlich, peinlich!
Im Kloster Maria Laach kommen wir Abends so spät an, dass wir es gerade noch zum Ende der Komplet in der Klosterkirche schaffen. Die Pforte ist natürlich längst geschlossen und ohne das freundliche Entgegenkommen der Brüder hätten wir unser nächtliches Lager wohl mit Füchsen und Zecken teilen müßen. Statt solchen "natürlichen" Erfahrungen können wir so die Kunstschätze des Klosters bestaunen und bekommen am nächsten Morgen ein ausgiebiges Frühstück und Butterbrote mit auf den Weg.

Die folgenden zwei Tage verbringen wir in Brückenmühle im Haus von Tante Hedwig, einer Großtante von Bastian. Hier kommen uns Bastians Bruder Till und Mareike besuchen, um mit uns gemeinsam die Burgen Eltz und Pyrmont zu erkunden. Wetter, Bauarbeiten und sehr viele Touristen ließen uns jedoch schnell um- und in der Dorfschänke von Roes einkehren. Auch hier ist wieder ein klein wenig Schleichwerbung angebracht, denn in kleinen Ortschaften wie Roes oder gar Brückenmühle ist es nicht mehr selbstverständlich einen Laden oder Bäcker zu finden. Für Wanderer kann das ein beträchtliches Problem darstellen. Wir waren also mehr als dankbar, als uns hier in der Dorfschänke erst ein Frühstück zum mitnehmen und dann viele gute Reisewünsche und -tips mit auf den Weg gegeben wurden!

Zum Abschied von Roes besuchen wir noch die sogenannte "Schwanenkirche", eine moderne Kirche die ganz mit dem Ort verbunden zu sein scheint. Beeindruckt von der Schlichtheit und Ruhe ließ es sich dort gut eine Weile aushalten.


Bereits am nächsten Tag dürfen wir erneut Gastfreundschaft genießen. In Löf werden wir vom Kaplan Okpalanozie aufgenommen. Er kommt aus Nigeria und schreibt gerade in Deutschland seine Doktorarbeit über ein mögliches Zusammenleben von Christen und Muslimen in Nigeria. Uns bekocht er mit einem afrikanischen Mahl, welches uns sehr an unsere Besuche in Guinea erinnert. Die Gespräche springen von Afrika auf die Eigenarten der Deutschen und wieder zurück, und wir vernehmen mit größtem Vergnügen, dass dieser Pfarrer sehr gut mit der deutschen Steifheit umzugehen weiß. In seiner Kirche wird Einsatz gefordert, ob bei der Begrüßung oder beim Friedensgruß und zwischendurch werden afrikanische Lieder gesungen. Schade ist, dass Kaplan Okpalanozie nicht für immer in Deutschland bleiben wird. Vielleicht würde solch ein Pfarrer hier und da den Kirchen sehr gut tun.

Unsere nächste Station ist der Marienwallfahrtsort Kamp-Bornhofen. Und schon wieder werden wir mit Gastfreundschaft konfrontiert. Die Franziskanerbrüder haben leider keinen Platz für Gäste und laden uns deswegen ein, uns die Übernachtung in einem der Hotels im Ort zu bezahlen. Als wir daraufhin in das Wirtshaus der Familie Schreiner treten, gibt uns diese auch noch ein Abendessen aus. Einfach so, weil sie es gut finden, dass junge Leute eine solche Reise unternehmen.
Ausgerüstet mit extra Brötchen von Frau Schreiner geht es am nächsten Morgen weiter nach Oberwesel, einem absolut sehenswerten Rheinstädtchen. Obwohl klein, ist es den Bürgern gelungen viele mittelaterliche Sehenswürdigkeiten zu erhalten.
Leider hat Eli auf unserem Weg dorthin zu ihrer Erkältung auch noch Fieber bekommen, und zu allem Übel geht bei unserer Ankunft ein heftiger Regenguss nieder. Wir kommen zuerst im Jugendheim unter und werden später vom Pfarrer ins Pfarrhaus geladen. "Gott und der Gemeinde sei Dank habe ich so ein großes Haus!" sagte er und erzählte uns, dass er schon einige Gäste bei sich beherbergen durfte.

Durch Fieber und Erkältung angeschlagen sind wir froh, dass wir in den folgenden Tagen bei Freunden unterkommen können. Zuerst muss Eli auskuriert werden, dann (wir teilen gerecht!) Bastian. Es bleibt uns also nur noch zu sagen: Vielen, vielen Dank Milly!

Und auch Euch Marc und Agnieszka!

Von Oestrich-Winkel und Mainz aus geht es Richtung Mannheim, ein Weg der nicht an einem Tag zu schaffen ist. In Guntersblum machen wir Station und werden schon am Ortseingang von einer Frau angesprochen. Ausgestattet mit ihren Ratschlägen wenden wir uns zur evangelischen Kirche und kommen gerade pünktlich vor Kirchenschließung. Pfarrer Hoffman heißt uns herzlich willkommen und gibt uns erstmal eine Kirchenführung. Es ist eine von nur vier oder fünf Kirchen mit "Sarazenentürmen", die nach der Heimkehr der Kreuzritter nach orientalischem Vorbild errichtet wurden.
An diesem Abend kommen wir im Gemeindehaus unter und werden zum Hofgottesdienst für den nächsten Morgen herzlich eingeladen. Pilger? Schon mehr als 500 km gewandert? Nach dem Gottesdienst gibt es Fragen über Fragen und Brötchen mit auf den Weg vom Besitzer des Katharinenhofes. Wir verlassen Guntersblum mit dem Eindruck einen besonderen Ort kennengelernt zu haben.


Auch für die nächste Station Worms sind wir bestens gerüstet, denn Pfarrer Hoffman hat uns an seinen dortigen Kollegen empfohlen, bei dem wir tatsächlich im Gemeindehaus unterkommen.

Der Weg nach Mannheim wird am nächsten Tag unendlich lang. Bastian bekommt Fieber und wir sind froh, als wir endlich bei Sebi unterkommen können. Mannheim ist seit unserem Studium immer noch ein Zuhause und unsere Freunde lassen uns fühlen, dass wir hier willkommen sind.
